Frankfurter Zukunftsrat

2. Zukunftskreis „Journalismus, Medien und Kommunikation“

16. November 2010 im Hotel de Rome, Berlin

Rede von Sylvia von Metzler

Sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren,

ich begrüße Sie ganz herzlich zum 2. Zukunftskreis „Journalismus, Medien und Kommunikation“ des Frankfurter Zukunftsrates und freue mich über Ihre Anwesenheit. Ganz offenbar trifft dieser Zukunftskreis den Nerv der Zeit bzw. den Nerv der Journalisten und Redakteure.

Sylvia von Metzler Wenn es in der wissenschaftlichen Literatur um den Wandel des Mediensystems und um die gegenwärtige Rolle der Medien geht, wird zu Beginn immer eine Verbindung zum gesellschaftlichen Wandel bzw. zu den gesellschaftlichen Verhältnissen hergestellt: Denn plurale, heterogene Gesellschaften bringen Medienlandschaften hervor, die genauso vielfältig und breit gefächert sind. In den komplexen, westlichen Industrienationen ist eine demokratische Teilhabe der Bürger ohne die Wissensvermittlung durch die Medien kaum noch denkbar. Das heißt, Medien schaffen und fördern Demokratie. Wir sind in unserer Aufnahmefähigkeit begrenzt, so dass alles, was nicht direkt unser Bewusstsein erreicht, für uns schlicht weg nicht stattgefunden hat. Medien helfen uns also unseren Lebensraum, über unser direktes Umfeld hinaus, wahrzunehmen – sie nehmen eine Reduktion der Komplexität vor. Das ist eine ebenso verantwortungs- wie herausforderungsvolle Aufgabe. Um den demokratischen Bürgerpflichten nachkommen und mündige Entscheidungen treffen zu können, bedarf es umfangreicher Informationen.

Für demokratische Massengesellschaften übernimmt der Qualitätsjournalismus also eine lebensnotwendige Funktion. Journalismus transportiert den In- und Output zwischen Politik und Gesellschaft, er ist Teil demokratischer Strukturen. Das lässt sich etwa durch zahlreiche Gegenbeispiele belegen: In autokratischen Systemen werden häufig als erste Amtshandlung politischer Entscheidungsträger die Presserechte eingeschränkt.

Wir verdanken also den Medien einen Teil unserer Existenz als mündige Bürger – dabei haben sie es nicht all zu leicht mit uns: Zeit ist unser kostbarstes Gut und Mangelware. Die Leser wirklich zu erreichen und ihr Bewusstsein anzusprechen, gelingt häufig nur durch grelle Bilder und laute Schlagzeilen. Das Internet kann im Informationsdschungel zwar als Navigator genutzt werden, zugleich steigert es die Komplexität unseres Erfahrungsumfeldes um unzählige Komponenten und erschwert es dem Qualitätsjournalismus unter Beibehaltung seines Anspruchs an sich selbst, die breite Masse zu erreichen. Ins Zentrum der Redaktionen rückt die Suche nach der besten Präsentationsform, die Aufmerksamkeit für das journalistische Produkt weckt und profunde Recherchen einschließt.

Den Herausforderungen, vor denen Konsumenten und Journalisten gleichermaßen stehen, wollen wir uns heute Mittag widmen. Im Anschluss an die Vorträge wollen wir in Arbeitsgruppen nach Chancen und Möglichkeiten für den Journalismus in der Zukunft suchen.

Ich wünsche uns allen eine spannende Arbeitskreissitzung mit aufschlussreichen und anregenden Diskussionen.

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