Alter

 

Statement

Leiter des Lehrstuhls für Genomstabilität in Alterung und Erkrankung an der Universität zu Köln und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Alternsforschung

Die Lebenserwartung hat sich in den vergangenen 150 Jahren verdoppelt. Schon bald wird ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland älter als 65 Jahre sein. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko der Multimorbidität, also des Erleiden mehrerer Krankheiten zur selben Zeit, exponentiell an. Altersbedingte Krankheiten werden fast jeden Menschen treffen und in absehbarer Zeit wird ein erheblicher Teil der Bevölkerung an altersbedingten Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz, Krebs, chronischem Nierenleiden, Typ 2 Diabetes und Gebrechlichkeit leiden. Wollen wir verhindern, dass die alternde zur multimorbiden Gesellschaft wird, so müssen altersbedingte Krankheiten nachhaltig bekämpft werden. Die moderne Alternsforschung hat erkannt, dass im Alterungsprozess selbst die Ursache dieser verschiedenen Krankheiten liegt. Nachhaltige Therapien müssen daher beim Alterungsprozess ansetzen, um die Entstehung altersbedingter Krankheiten zu verhindern. Die zukünftige Präventive Medizin benötigt ein umfassendes Verständnis der komplexen Biologie des Alterns. Hierzu sind enorme Herausforderungen zu bewältigen, die massive Investitionen in die biomedizinische Alternsforschung dringlicher denn je machen.

Die Zukunft der alternden Gesellschaft

Die moderne Alternsforschung hat bereits tiefe Einblicke in die genetischen Mechanismen gewinnen können, die Krankheitsrisiken und Langlebigkeit kontrollieren. Das gezielte Ansetzen an diesen Mechanismen kann es der Präventiven Medizin ermöglichen, die Gesundheitsspanne deutlich zu verlängern und damit der Multimorbidität entgegenzuwirken. Therapien werden auf genetische Programme der Langlebigkeit als auch auf den Erhalt und die Wiederherstellung funktionaler Gewebe zielen. Verschiedenste Therapiearten müssen zusammenwirken, um eine nachhaltige Erhaltung der Gesundheit im Alter zu erreichen. Basierend auf neuen Erkenntnissen aus der grundlagenorientierten Alternsforschung lässt sich die gesund alternde Gesellschaft verwirklichen.

Nur mit Investitionen in die biomedizinische Alternsforschung kann verhindert werden, dass wir uns weiter auf die multimorbide Gesellschaft zubewegen. Die Kosten einer multimorbiden Gesellschaft übertreffend die Kosten dieser Investitionen um ein vielfaches.

Prof. Dr. Björn Schumacher

Biografie

Prof. Björn Schumacher leitet seit 2013 das Institut für Genomstabilität in Alterung und Erkrankung am CECAD Exzellenzcluster für Alternsforschung der Universität zu Köln. Seit 2014 ist er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Alternsforschung (DGfA).

Björn Schumacher wurde am 18.4.1975 in Hannover geboren und studierte nach dem Abitur 1994 Biologie an der Universität Konstanz. 1999 absolvierte er als DAAD Stipendiat mit dem Master in Biological Sciences an der Stony Brook University in New York. Schumacher setzte die am Cold Spring Harbor Laboratory in New York begonnene Dissertation am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München fort und promovierte 2004. Daraufhin folgte ein mehrjähriger Forschungsaufenthalt als EMBO und Marie Curie Postdoctoral Fellow am Erasmus Medical Center in Rotterdam. 2009 begann er am CECAD Exzellenzcluster der Universität zu Köln als unabhängiger Nachwuchsgruppenleiter.

Prof. Schumacher wurde mit dem Innovationspreis des Landes Nordrhein-Westphalens ausgezeichnet, seine Forschung wird vom Europäischen Forschungsrat (ERC) gefördert, er koordiniert derzeit das Marie Curie ITN Forschungsnetzwerk “CodeAge” der Europäischen Kommission und ist Mitglied verschiedener Editorial Boards internationaler Fachzeitschriften. Das Forschungsinteresse des Kölner Wissenschaftlers gilt der Aufklärung der Ursachen des Alterns. Denn die biologische Grundlagenforschung ist von zentraler Bedeutung, um den Herausforderungen der alternden Gesellschaft zu begegnen. Prof. Schumacher: „Nur wenn wir den Alterungsprozess verstehen, wird es uns gelingen Alterskrankheiten wirksam zu verhindern und ein gesundes Altern zu ermöglichen.“