Prof. Dr. phil. Gert Pickel

Religion und Pluralität in modernen Gesellschaften

Die Stellung von Religionen in modernen Gesellschaften hängt in großem Maße davon ab, wie mit religiöser und weltanschaulicher Pluralität umgegangen wird – und wie auch Religionsgemeinschaften mit dieser Vielfalt umgehen. Im Rahmen von weiter voranschreitenden Modernisierungs-, Migrations- und Globalisierungsprozessen wird in Zukunft die Pluralität von Menschen unterschiedlicher Religiosität, unterschiedlicher Weltanschauungen aber auch religiöser Zugehörigkeit weiter und stetig zunehmen. Dies schließt auch die Vielfalt säkularer Lebensstile und Lebensplanungen ein. Anders als man vielleicht noch vor wenigen Jahren vermutet hat, wird ein Weiterlaufen der Säkularisierung interreligiöse Konflikte genauso wenig regeln, wie es die Relevanz religiöser Zugehörigkeit für die eigenen Identitäten von Menschen auflösen wird. Um nicht in die Gefahr einer zunehmenden Polarisierung zwischen Inhabern unterschiedlicher religiöser Identitäten, aber auch zwischen säkularen und religiösen Gruppen in der Gesellschaft, zu geraten, ist eine auf wechselseitige Toleranz, Anerkennung aber auch Wissen über den Anderen und seine Religion basierende Gesellschaftskultur der Zukunft hinzuwirken. Kontakte zwischen Mitgliedern unterschiedlicher weltanschaulicher Gruppen, wie auch eine frühe Vermittlung von Differenzen, Gemeinsamkeiten und Kenntnisse anderer religiöser Gruppen und ihrer Kulturen stellen eine Grundvoraussetzung hierfür dar.

 

Biografie

  • seit 2009 Professor für Religions- und Kirchensoziologie an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig
  • 2007-09 Lehrstuhlvertretung (W2) für Kirchen- und Religionssoziologie an der Universität Leipzig
  • 2001-06 Administrativer Coordinator des EU-Projekts „Value Systems of the Citizens and Socio-Economic Conditions – Challenges from Democartisation for the EU-Enlargement“
  • 2004-05 Lehrstuhlvertretung für vergleichende Kultursoziologie Frankfurt (Oder)
  • 2005 Projektleitung „Kirche und Religion im erweiterten Europa“
  • Gastaufenthalte an den Universitäten Bukarest, Liubljana und Sofia