1. Sitzung des Kompetenzteams „Gesundheit“

Mittwoch, 18. Januar 2017

Die Mitglieder des Kompetenzteams „Gesundheit“ unter der Leitung von  Professor Dr. Christian Elger haben am Mittwoch zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammengefunden. Gemeinsam haben sie die Ziele des Kompetenzteams festgelegt und Arbeitsbereiche besprochen sowie untereinander aufgeteilt.

Professor Elger benannte vier Themen:

  • Die Kostensteigerung im Gesundheitswesen aufgrund der medizinischen Entwicklung – Bewertungskriterien seien zu entwickeln, welche Kosten gerechtfertigt sind und welche nicht
  • Unnötige Ausgaben im Gesundheitswesen – es brauche bessere Leitlinien
  • Die faktische Trennung zwischen klinischer Forschung und Praxis – wichtig sei deren Zusammenführung bzw. die Translation der Forschungsergebnisse in die klinische Praxis
  • Finanzierung der klinischen Forschung durch Wirtschaftsunternehmen – weil diese stark interessegeleitet sei und die Ergebnisse entsprechend frisiert würden, solle klinische Forschung in Zukunft aus öffentlichen Mitteln finanziert werden (bspw. durch die DFG)

Professor Hecken setzt sich als unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) dafür ein, dass die Hälfte der 300 Millionen Euro pro Jahr des Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss für wissenschaftliche Studien, die Evidenzlücken schließen sollen, ausgegeben werden.  Ein zu lösendes Problem sei ihm zufolge die Auseinanderentwicklung der sinkenden Alterseinkünfte und steigenden Gesundheitsausgaben bei der Finanzierung der Gesetzlichen Krankenkassen.

Außerdem beschäftigt sich Professor Hecken mit der value-based medicine. Ein Problem sei, dass weder die Industrie noch die Krankenkassen sich für Prävention interessieren. Wenn für präventive Zwecke die genetische Prädisposition nicht nur von bereits Erkrankten, sondern auch schon von Gesunden überprüft werden soll, erfordere das zunächst eine ethische Diskussion.

Hierzu gab Professor Schumacher zu bedenken, dass eine genomische Medizin gute Beratung erfordere.

Dr. Bade sprach an, dass Multimorbidität zur Verschreibung einer größeren Zahl verschiedener Medikamenten pro Patient führe, deren Wechsel- und Nebenwirkungen kaum noch abzuschätzen seien, was gefährlich für den Patienten ist und die Kosten weiter steigert. Außerdem sei der Informationsaustausch zwischen Ärzten über die Medikation ungenügend. Kosten im Gesundheitssystem entstünden auch durch ein ungerechtfertigtes Verschreibungs- und Abrechnungsverhalten von Ärzten.

Professor Elger gab zu bedenken, dass ein weiterer Faktor Ärzte dazu antreibe, alles medizinisch Mögliche zu unternehmen: die juristische Gefahr von Patientenklagen.

Herr Nagel spricht den Mangel an Wettbewerb im Gesundheitssystem an. So sei bspw. ein Wechsel der PKV nicht möglich. Eine personalisierte Medizin, die zielgerichtete Therapien ermöglicht, brauche IT. In der Krebsforschung z.B. sei Gentechnik in Verbindung mit Big Data essenziell.

Nach einer gemeinsamen Themenfindung legte Professor Dr. Manfred Pohl den Kompetenzfeldern entsprechend folgende Arbeitsbereiche fest:

  • Elger                     öffentliche Finanzierung von Firmeninteressen unabhängiger medizinischer Studien
  • Hecken                 Finanzierung des Gesundheitssystems / value-based medicine
  • Nagel                    Finanzierung (zusammen mit Josef Hecken) / Digitales
  • Schumacher        Prävention / Gesundheitsbildung bzw. -kompetenz / Alter
  • Stehle                   Ernährung (war bereits mit ihm so abgesprochen)

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