„My Europe 2100“ – Workshop in Sofia

Workshop in Bulgarien: My Europe 2100 e.V. diskutiert über Klimaflüchtlinge

Am 28.-29. November 2016 hat My Europe 2100 e.V. seinen ersten „Revolving Workshop“ in Bulgarien gestartet. Das Revolving System wurde von dem Gründer von My Europe 2100 e.V., Prof. Dr. Manfred Pohl, entworfen und bedeutet das Zurückgehen des Vereins in die Länder, in denen er bereits Workshops abgehalten hatte.

Mit 100 Jugendlichen aus 4 verschiedenen Schulen in Sofia diskutierte My Europe 2100 e.V.  über Klimaflüchtlinge. Mit dabei war der frühere Außenminister Bulgariens Dr. Solomon Passy, derzeit Präsident der von ihm gegründeten Nichtregierungsorganisation Atlantischer Klub. Passy sprach über die Zukunft der Migration und welche Herausforderungen die Klimakrise bezüglich neuer Migrationsbewegungen mit sich führt.

Nach Passy werde Zu- und Abwanderung zunehmend wie Religion behandelt. Auf der einen Seite ständen diejenigen, die an „migration“ glauben und die Zuwanderer mögen, auf der anderen Seite jene, die Zuwanderer und Zuwanderung im Allgemeinen ablehnen. Dies sei der falsche Ansatz: Zuwanderung müsse als Arithmetik, also Mathematik, betrachtet werden. Es müsse die Frage gestellt werden, wie viele Menschen ein Land für einen bestimmten Zeitraum reibungslos aufnehmen kann und welche Kosten dabei entstünden. Weiterhin müsse es in der EU Auswahlkriterien ähnlich denen der USA und Kanada geben, die mit der Green Card eine Chance für Zuwanderer böten.

Einer der Schüler fragte nach den Kosten der Integration, wozu Passy meinte, dass viel mehr zu überlegen sei, was die Kosten für eine Unterlassung von Integrationsmaßnahmen wären.

Passy ist der Meinung, dass Zuwanderung sowie Abwanderung durch natürliche Anziehungsregionen bestimmt sei. So wanderten beispielsweise irische Krankenschwestern in die Vereinigten Staaten ab und hinterließen ein Vakuum in Irland, das derzeit von bulgarischen Krankenschwestern gefüllt werde. Zu erwarten sei, dass dieses Vakuum in Bulgarien durch indische oder pakistanische Krankenschwestern gefüllt werde.

Allen voran ständen Inklusive Institutionen, die den Erfolg einer Nation ausmachten. Als Beispiel führte Passy die Prinzipien der Welthandelsorganisation an, die sich auch in den internationalen Abkommen TTIP und TTP wiederfänden.

Ognian Zlatev, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Sofia sprach über die Flüchtlingskrise und die Verantwortung der Europäischen Union gegenüber ihren humanitären Werten sowie der Herausforderung einer europäischen Einigkeit.

Ein Beispiel, bei dem der Klimawandel eine Rolle spiele, sei der Syrienkonflikt, dem eine schlimme Dürre voraus ging. Nach Zlatev migrierten Jahre vor dem Ausbruch der landesweiten Proteste in Syrien 1,5 Millionen Leute von den ländlichen Gegenden in die Städte. Als Syriens Präsident Assad daraufhin die Subventionen für Brennstoff und Essen kürzte, von denen viele Bauern abhängig waren, führte das zu sozialen Unruhen in den Städten. Da diese durch die Binnenzuwanderung überfüllt waren, weiteten sich Proteste und schließlich der Konflikt immer weiter aus. Der Einfluss des Klimawandels auf die Gesellschaft sei daher indirekt. Es komme darauf an, wie die Politik des Problems Herr werde. Politische Instabilität trüge maßgeblich zum Ausbruch von Konflikten bei. Zlatev warnte vor dem Klimawandel als „Gefahrenverstärker“.

Da der Klimawandel arme und marginalisierte Regionen und Gemeinschaften am härtesten treffe, seien Hilfen für Entwicklungsländer und regionale Hilfen entscheidend. Der Entwicklungsfond der EU habe hier einige klimapolitische Projekte ins Leben gerufen. Das Ziel der EU sei, 20% ihres Budgets für Klimapolitik auszugeben, was eine Summe von 14 Milliarden in einem Zeitraum von 2014-2020 darstelle. Schließlich seien Klima und Entwicklung untrennbar miteinander verknüpft.

Die EU unterstütze Ernährungssicherheit, sowie den Schutz von natürlichen Ressourcen und die Umstellung der Stromerzeugung von Kohle als Energiequelle auf Erneuerbare Energien. Die EU sei hier unter anderem in Bangladesch, Äthiopien oder Tansania aktiv. Hier stelle sie Mittel und Know-How zur Bekämpfung von Entwaldung zur Verfügung oder helfe bei dem Aufbau von sogenannten Ökodörfern in Tansania. Bis heute, so Zlatev, werden Klimaflüchtlinge nicht unter den Schutz des internationalen Rechts gestellt, sie schieden aus der Definition eines Flüchtlings aus, da sie weder vor politischer Verfolgung noch vor Konflikten flöhen.

Die derzeitige Flüchtlingskrise, die eine bis dato noch nie dagewesene Zahl an Flüchtlingen nach Europa brachte, solle ein Weckruf an die Europäischen Staaten sein, endlich in Asylangelegenheiten effektiv zusammenzuarbeiten. Vor allem mit den Ländern Jordanien, Libanon und der Türkei, die derzeit mehr Flüchtlinge beherbergen als die EU im Gesamten. Auch müsse ein umfangreiches Frühwarnsystem geschaffen werden, das rechtzeitig vor Umweltkatastrophen warnt und den entstehenden Schaden dadurch vermindert.

Carolin von Janowski, Projektmanagerin bei My Europe 2100 e.V., leitete den Workshop „dreamer, planner, critic“, bei dem die SchülerInnen in Gruppen jeweils mit einer schwierigen Fragestellung konfrontiert wurden, deren Lösungsvorschläge sie in drei Schritten erarbeiten sollten.

Zunächst sammelten sie Ideen, dann entwickelten sie Strategien für ihre Umsetzung. Im Nachhinein wurde analysiert, inwiefern das Vorhaben von außen kritisiert werden und welche Probleme bei der Umsetzung entstehen könnten. Im Anschluss trugen die SchülerInnen in ihren Teams begeistert ihre erarbeiteten Konzepte vor.

 Im Anschluss hielt Spiros Nomikos, Geschäftsführer der Solvay Sodi Ad, eine Rede über die Verantwortung der Unternehmen im Hinblick auf den Klimawandel.

CO2-Emissionen würden ohne Sanktionierung en masse ausgeschüttet, dennoch sei der Preis per Tonne CO2 niedrig, derzeit liege er bei 6€. Das Unternehmen Solvay beteilige sich aktiv an der Reduzierung von CO2 und habe es sich zur Aufgabe gemacht, bis 2025 40% ihrer CO2-Emissionen zu reduzieren. Außerdem würde Solvay daran arbeiten, Lithiumbatterien in Autos durch umweltfreundlichere Batterien zu ersetzen, die weniger giftig sind. Solvay arbeite stetig an einer Lösung, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und bastele derzeit an einer nachhaltigen Strategie hierzu.

 

Gründer von My Europe 2100 e.V., Prof. Dr. Manfred Pohl, schloss die Veranstaltung mit dem Fazit, dass das 21. Jahrhundert wesentlich von der Flüchtlingsproblematik geprägt sein wird. Und dass im Laufe der nächsten Jahrzehnte die Klimaflüchtlinge mehr und mehr eine Herausforderung sein werden. Insbesondere Flüchtlinge aus Afrika und Asien spielten eine immer größere Rolle.

Daher rief Prof. Pohl die Verantwortlichen der Klimakonferenzen auf, alles Erdenkliche für ein stabiles Klima zu tun.

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