„Herr Pohl ist ein intellektueller Unruhestifter“

Buchvorstellung des neuen Buches von Manfred Pohl: Ein Gott, eine Währung. Das Frankfurter Zukunftsmanifest. Mit Laudatio von Wolfgang Clement

Gibt es eine Religion, die unsere Welt friedlich machen könnte? Wie setzen wir Digitalisierung ein, um in Zukunft eine bessere Bildung zu erreichen? Und wie können wir Integration und Einheit schaffen, aber trotzdem unsere eigene Identität nicht verlieren?
Diese Fragen stellt Jelena Mitsiadis, Executive Manager beim Frankfurter Zukunftsrat, als sie mit Bianca Labitzke vom Verlag Frankfurter Allgemeine Buch die Buchvorstellung einleitet und den Frankfurter Zukunftsrat als Zukunftswerkstatt vorstellt.
„Herr Pohl gehört zu denen, die sich mit der aktuellen politischen Situation nicht abfinden wollen, die die alten Denkweisen, die in diese Situation geführt haben, aufzubrechen versuchen, Schritt für Schritt verbessern wollen und manchmal, wie aus seinem Buch deutlich wird, auch mehr als einen mutigen Schritt voran machen“ findet Wolfgang Clement, ehemaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit a.D.

Das neue Buch von Manfred Pohl stellt provozierende Szenarien für Religion und Kultur, Bildung und Politik und Wirtschaft von der Zukunft auf und entwirft einen „atemverschlagenden Gottesbegriff“ wie Clement es nennt, „eine fantastische Vision“.
Denn Pohl entwirft das Bild einer Welt, in der Religion kein Konfliktgegenstand mehr bildet, sondern als friedensstiftendes Identifikationsmoment unter dem Rahmen des Neurotheismus wirkt. Den Neurotheismus definiert Pohl als „Gott ist die Summe aller Neuronen und Synapsen der Menschen die waren, sind und sein werden“ und hebt damit das Alleinstellungsmerkmal von Religion auf.
Weitere Fragestellungen die er in dem Buch andiskutiert (und bereits erste Lösungsvorschläge anbietet) sind die Fragen, ob wir aktuell einer neuen Epoche in Philosophie und Theologie entgegensehen und wie die Herrschaftsstruktur des Mannes aufgehoben werden kann. Muss das Gymnasium abgeschafft werden, um Bildung als duales System zwischen 6-16 Jahren einzuführen? Bedarf es einer globalen Gebietsreform, um Frieden in der Welt herzustellen? Wie funktioniert die Metropolregion als Heimat und multikultureller Mittelpunkt?
Verwundert es da, dass Clement den Herausgeber mit einem Lächeln als „intellektuellen Unruhestifter“ bezeichnet? Und dennoch, bereits Albert Einstein wusste, dass „wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, dann gibt es keine Hoffnung für sie“. Und so sind viele von Pohls Ideen vielleicht gar nicht so utopisch, wie viele meinen, sondern schlicht über „das Heute“ hinausgedacht, wie Clement es formuliert: „Es tut gut, einen Blick sehr viel weiter als Heute zu werfen und Herr Pohl macht das mit gekanntem Überschwung. Vielleicht hilft einem das Heute, um das Morgen in Gang zu bringen.“
Und so kann man gespannt sein, wie sich die Gedanken des Zukunftsmanifests in der Realität widerspiegeln werden. Sie bilden zumindest die Basis für die weitere Arbeit des Frankfurter Zukunftsrats, dem renommierte Wissenschaftler, Politiker und Unternehmer angehören und seit 2008 Handlungsaufforderungen für die Politik ausarbeiten.

Rahmendaten zu der Veranstaltung:
Wann: 2. Oktober 2015, 14 Uhr
Wo: Steigenberger Frankfurter Hof, Frankfurt am Main

Rahmendaten zum Buch
Ein Gott, eine Währung. Das Frankfurter Zukunftsmanifest
Herausgeber: Manfred Pohl
Verlag: Frankfurter Allgemeine Buch
Preis: 12,90
ISBN: 978-3-95601-145-0

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